Das Portal Immowelt hat eine Prognose für die Entwicklung der Wohnungspreise in den 14 größten deutschen Städten bis Ende 2020 vorgelegt. Demnach ist kein Ende des Anstiegs zu erwarten: Innerhalb von knapp drei Jahren werde das Niveau im Schnitt um weitere 22 Prozent zulegen.

Die Wohnungspreise in Deutschland werden in den nächsten Jahren der Immowelt-Kaufpreis-Prognose zufolge weiter steigen. Bis Ende 2020 liege die Zunahme im Mittel bei 22 Prozent.

Insbesondere Käufer in München müssen sich laut Immowelt auf neue Rekordhöhen einstellen: Wohnungen würden sich dort sogar um 28 Prozent verteuern. Der Quadratmeterpreis liege dann voraussichtlich mit prognostizierten 8.390 Euro über der 8.000-Euro-Marke. Bereits Ende dieses Jahres wird er laut Immowelt bei 7.140 Euro liegen. Zurzeit zahlen Wohnungskäufer in der bayerischen Landeshauptstadt im Median 6.540 Euro pro Quadratmeter.

Noch deutlicher trete der Unterschied im Vergleich zu 2010 hervor: Damals kosteten Wohnungen im Schnitt 2.970 Euro pro Quadratmeter und damit einen Bruchteil der Preise mit denen 2020 zu rechnen ist.

Zuzug nimmt weiter zu

Für die Vorausberechnung der Preise berücksichtigte Immowelt die Entwicklung von Bevölkerung, Verbraucherpreisindex und Baupreisindex und legte einen durchschnittlichen Zinssatz von 1,68 Prozent für Wohnbaukredite – den Schnitt des Jahres 2017 – zugrunde.

„Die Ergebnisse unserer Prognose zeigen, dass die Preise in den deutschen Großstädten auch in den nächsten zwei Jahren steigen werden. Das liegt vor allem daran, dass der Zuzug in die Ballungsräume weiter zunimmt und sich somit die Nachfrage nach Wohnraum stetig erhöht“, erklärt Ulrich Gros, CFO der Immowelt AG. „Das Angebot an Immobilien wird dem großen Ansturm aber nicht gerecht“, prognostiziert Gros weiter. „Hinzu kommt, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass die derzeitige Niedrigzinsphase auf einen Schlag beendet sein wird. Die Europäische Zentralbank wird den Leitzins nur in kleinen Schritten anheben.“

Hohe Preisanstiege in Nürnberg und Hannover

Die günstigen Zinsen haben laut Immowelt nicht nur Auswirkungen auf Münchens Immobilienmarkt, auch in B-Städten halte der Preisaufschwung an. Beste Beispiele seien Hannover und Nürnberg. Beide hätten in den vergangenen Jahren ein hohes Bevölkerungswachstum verzeichnet, das auch in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich nicht abreißen werde.

Das habe zur Folge, dass sich die Kaufpreise in Hannover bis 2020 um 25 Prozent, in Nürnberg um 26 Prozent erhöhen – die höchsten Steigerungen nach München (28 Prozent). In Nürnberg prognostiziert die Immowelt-Berechnung in zwei Jahren Preise von 3.400 Euro pro Quadratmeter, aktuell liegt der Wert noch bei 2.700 Euro. In Hannover ist das Niveau generell etwas niedriger: Zurzeit zahlen Käufer 2.170 Euro pro Quadratmeter, 2020 sind bereits 2.720 Euro realistisch.

Berlin: Preise überschreiten die 4.000-Euro-Marke

Auch in Berlin, Stuttgart (je plus 24 Prozent) und Hamburg (plus 23 Prozent) müssen Käufer nach Aussage von Immowelt in zwei Jahren deutlich mehr Geld investieren. Besonders in Berlin würden die Preise bis 2020 in neue Sphären steigen. Aktuell seien es noch 3.460 Euro im Median, für Ende dieses Jahres werden 3.730 Euro prognostiziert.

In zwei Jahren knacken die Kaufpreise laut Immowelt die 4.000-Euro-Marke. Die Strahlkraft der Hauptstadt habe insbesondere in den vergangenen Jahren einen Immobilienboom ausgelöst. Am deutlichsten werde das beim Blick auf die Preise für Wohneigentum von 2010: Damals kostete der Quadratmeter noch 1.570 Euro. Anfang 2020 werde er mehr als 2,5 Mal so teuer sein.

Anders dagegen sieht es laut Immowelt im Ruhrgebiet aus: Dort gebe es Immobilien noch zu vergleichsweise günstigen Preisen. Dies werde sich so schnell nicht ändern: Sowohl in Essen als auch in Dortmund würden sich die Preise für Wohneigentum nur unwesentlich verteuern. Aktuell kosten Eigentumswohnungen in Dortmund 1.340 Euro pro Quadratmeter und in Essen 1.370 Euro. Bis Anfang 2020 seien Steigerungen von gerade einmal 80 beziehungsweise 90 Euro zu erwarten.

Szenario steigende Zinsen: Preissteigerungen verlangsamen sich

Alle genannten Ergebnisse der Kaufpreis-Prognose beruhen laut Immowelt darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis 2020 den Leitzins bei null Prozent belässt und das aktuelle Zinsniveau für Wohnbaukredite bei durchschnittlich 1,68 Prozent bleibe.

Sollte die EZB allerdings den Leitzins anheben, so hätte dies laut Immowelt Auswirkungen auf die Preisentwicklung. Eine Anhebung auf 0,5 Prozent hätte laut Immowelt zur Folge, dass Käufer einen Immobilienkredit für fünf bis zehn Jahre zu einem Zinssatz von rund zwei Prozent finanzieren.

Trete ein solches Szenario bis 2020 ein, verlangsame sich die Preissteigerung. In München würde dies etwa dazu führen, dass Wohneigentum um 22 Prozent teurer werde, statt um 28 Prozent bei gleichbleibenden Zinsen.

Eine ähnliche Entwicklung gebe es in allen anderen untersuchten Städten. In Berlin würde die Steigerung beispielsweise bei 18 statt 24 Prozent liegen, in Nürnberg bei 20 statt 26 Prozent und in Stuttgart bei 18 statt 24 Prozent. In Essen und Dortmund hätten höhere Zinsen dagegen nahezu keinen Einfluss auf die Preise.

Quelle: https://www.cash-online.de/immobilien/2018/immowelt-kaufpreis-prognose-wohnungen/411339